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Nachgedanken zur Gedenkfeier zum Tode von Maik (JM Visions Begründer)

Eigentlich lässt uns nichts so ratlos und so entmutigt zurück, wie der Tod eines geliebten Menschen. Dabei spielt es keine Rolle woraus sich unsere Liebe eigentlich begründete. Wir spüren Verzweiflung, nicht mehr da sein zu können für ihn, wenn er es vielleicht gebrauchen könnte, und wir spüren Einsamkeit und eine gewisse Leere in Momenten, wo wir in der Vergangenheit ihn an unserer Seite und in unserem Leben wussten. Sich vorstellen zu müssen, um die Wärme seiner Seele beraubt zu sein, die Welt nicht mehr durch vier lebensbejahende sondern nur noch durch zwei trauernde Augen zu sehen, macht uns sprachlos und mutlos. Wir können nach hehren Worten suchen, um das Entsetzen zu kaschieren, aber wir können dem nicht entrinnen, wir empfinden den Tod als Niederlage. Ein geliebter Mensch hat einen in unserem Empfinden grausamen Kampf verloren, er hat es nicht mehr in den nächsten Tag geschafft. Sein Kampf war zu Ende, an diesem Tag und zu dieser Stunde, hier und für alle Zeit. Ihm nicht beigestanden zu haben in diesem Moment, nicht gemeinsam der Herausforderung getrotzt und sie gemeistert zu haben, entmutigt uns, macht uns traurig und beschämt uns.

Genauso wenig, wie wir wissen und uns erinnern können, was vor unserer Geburt ist, so wenig wissen wir, was uns nach unserem Tod erwartet. Sicher ist, diese Grenzen unseres Daseins lassen sich immer nur in eine Richtung überschreiten. Wir sagen gerne “er ging voran …” oder “er lässt zurück …”, aber es beschleicht uns das ungute Gefühl, dass schlussendlich wir ihn zurücklassen mussten und nicht umgekehrt und dass der Tag bald verblassen wird, der der letzte Tag war, an dem die Welt diesem Menschen noch eine Zukunft bot und er die Welt in seinem größeren oder kleineren persönlichen Universum mitgestaltete.

Er ist nurmehr Vergangenheit, wir sind die Zukunft. Und dafür schämen wir uns, obwohl nichts davon wirklich je in unserer Macht steht und jemals in seiner stand. Eine Nabelschnur ist durchtrennt.

Der Kummer war am 15. Juni 2018 deutlich zu spüren, als das gesamte JM Vision Ensemble, vor Freunden, Fans und Gästen, formell Abschied nahm von Maik, als Freund, als Partner und als wichtiges Ensemble-Mitglied. Eine Trauerfeier epischen Ausmaßes bot den angemessenen und stilvollen Rahmen. Ich habe noch nie eine solche Anteilnahme in Second Life erlebt, und den Willen, von Freundschaft, Liebe und Kummer beseelt, diesem Menschen alle Ehren zuteil werden zu lassen, in der Hoffnung, ihm damit wenigstens noch einmal ausdrücklich gerecht zu werden.

Es gibt keine “Hoffnung” mehr, nach dem Tod, kein “Wiedersehen” und keine “Zuversicht”. Es gibt stattdessen eine neue Wahrnehmung von “Erinnerung”, “Besinnung” und “Vermächtnis”.

Am 15.06.2018 erstrahlte Maiks Vermächtnis im JM Visions Theater. Die Erinnerung an ihn und die Besinnung auf seine Lebensart und Werte beseelte die Trauergäste über alle Maßen und verlieh ihm noch einmal eine immaterielle Präsenz, meisterhaft eingefangen übrigens von Peet Auer in einem 2-stündigen Video zu den Trauerfeierlichkeiten.

Es fällt mir schwer Tröstliches für den Untröstlichen zu finden. Bedenkt man aber, dass einige Dinge im Leben unabwendbar sind, zumal der eigene Tod, dann ist, bei genauerer Betrachtung und in allem Kummer und Unverständnis, sein Abgang genau jener, den man  sich von einem besonderen Menschen erwarten würde. Ein Abgang, der alles beinhaltet, überwältigend große Emotionen und eine mystische Dramaturgie.

Man kann niemandem den Tod wünschen, man kann auch keinen solchen Tod wünschen, nicht in dieser Form und nicht zu dieser Zeit. Und trotzdem, sein Tod war so besonders, wie sein Leben, sein Schaffen und seine Persönlichkeit. Insofern verbeugt sich das Unvermeidliche noch einmal vor seiner Person.

Es ist schade, unendlich schade, dass Maik nicht mehr unter uns ist. Seine Lieben werden zusammenrücken und sich im Leben neu positionieren müssen, ohne seine Hilfe und ohne seinen Beistand. Was ihm hoffentlich gelingen wird ist, dass er mit seiner Art und seinem Vermächtnis die Menschen weiter binden kann, weit über seinen Tod hinaus. Denn das ist, was er besonders gut konnte: Menschen verbinden. Ich freue mich aufrichtig auf die nächste JM Visions Produktion, denn sollte es die geben, dann weiß ich, dass sein Samen aufgegangen ist. Es werden Menschen in die Aufführungen strömen, und unter ihnen werden welche sein, die sich von der Dramaturgie und von dem Theaterhandwerk mitreißen lassen werden und inspiriert und beseelt ihren eigenen künstlerischen Weg gehen, ohne zu wissen, dass sie damit einen Gedanken und ein Talent weitertragen, dass einstmals maßgeblich von und durch Maik in diese Welt gesetzt wurde. Es nutzt nichts, wir werden das Fehlen von Maik akzeptieren müssen, Aber wir können nach ihm und seiner Art Ausschau halten, in allen Menschen, die uns begegnen oder die uns mit Dingen und Talenten begeistern, die wir gestern noch an Maik bewundert haben. Als Orpheus Eurydike aus der Unterwelt führte, da hörte er ängstlich hinter sich, ob er den Atem seiner Geliebten noch hörte und bald schien es ihm, als ob er leiser und entfernter wurde. Hätte er mutig nach vorne geschaut, wäre sein Schicksal womöglich besser verlaufen. Aber es ist eine schöne Metapher für was ich den Lieben um Maik herum wünsche, dass sie weiterhin mutig und dem Leben zugewandt bleiben und allezeit Maiks Atem hinter sich spüren.

Hier der Link zu dem YouTube-Video von SL4live anlässlich der Trauerfeierlichkeiten in SL:

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